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Die Grundlage. Das Bio-Psycho-Soziale Modell

Die Grundlage. Das Bio-Psycho-Soziale Modell

Offenheit ist eine Grundvoraussetzung im zwischenmenschlichen Arbeiten. Ob es Beratung ist, Coaching oder Therapie. Arbeit mit Menschen ist Arbeit in und mit Beziehungen. Diese Offenheit bedeutet, sich von klassischen Kausalitätsmodellen und einfachen Weltanschauungen zu verabschieden oder diese höchstens als „Teil des Ganzen“, als einen von mehreren Blickwinkeln zu verstehen.

 

 

 

In der Medizin hat man sich in seriösen Kreisen bereits vor einiger Zeit von polarisierenden und einseitigen Erklärungskonzepten verabschiedet. Krankheit wird nicht mehr ausschließlich auf organische, biochemische oder genetische Faktoren zurückgeführt. Ebenso können wir Krankheit nicht ausschließlich psychogen verstehen und ,wie Teile der Psychoanalyse-Szene stets auf spezifische und unbewusste psychische Konflikte reduzieren.

Richtig ist jedoch: Auch biographische Faktoren spielen eine Rolle.

Psychische und physiologische, geistige und körperliche Prozesse sind eng miteinander verbunden.

Ein ganz anschauliches Beispiel sind die sogenannten Stressachsen des Körpers, verantwortlich für die biologische Stressreaktion. Diese wird nicht nur von psychischen Prozessen beeinflusst, sondern auch über Umwege (Stichwort: Epigenetik) von unseren Beziehungs- und Lernerfahrungen. Bio. Psycho. Sozial.

 

Praktische Annahmen im Bio-psycho-sozialen Modell

(abgeleitet von Engel, 1977)

  • Biologische, psychologische und soziale Krankheits- wie Gesundheitsfaktoren stehen in einer Wechselwirkung zueinander.
  • Die Unterscheidung von rein körperlichen oder rein psychischen Erkrankungen ist überflüssig. Viel sinnvoller ist nach psychischen und körperlichen Anteilen zu schauen, die je nach Frage unterschiedlich groß sein können.
  • Die Ebene der „Bedeutung“, die ein Mensch beispielsweise seiner Erkrankung gibt muss erfasst und verstanden werden. Bin ich krank? Oder habe ich ein Problem? Habe ich eine Depression oder schwer traurig?
  • Die individuelle Lebenssituation muss verstanden werden.

Was bedeutet das für die Arbeit mit Menschen? Beziehung. Die Qualität unserer Beziehung zu unserem Gegenüber, beeinflusst das Erleben unseres Gegenübers. Und wir unterschätzen oft das Ausmaß. Und hier ist es ganz egal, ob es einen Arzt betrifft, der meine Symptome nicht ernst nimmt oder einen Fitness-Trainer, der mir seinen vermeintlich perfekten Trainingsplan aufzwingen will. Beziehungsarbeit ist Arbeit in Beziehungen.

 

Was soll bio-psycho-soziales Arbeiten nicht heißen? Beliebigkeit.

Die Idee sowohl biologischen als auch psychosozialen Faktoren Bedeutung einzuräumen birgt die Gefahr einer Verwässerung von Krankheits- und Gesundheitsfragen. Es ist klar, dass diese Modelle individuell geprüft und reflektiert werden müssen. Sonst steht am Ende einer langen Liste mit biopsychosozialen Einflüssen nur das Fazit: Egal.

Folgende (zugegeben abstrakte) Punkte sollen bei der Verwendung eines solchen Ansatzes beachtet werden (Henningsen & Kirmayer 2000; Henningsen, 2006):

  1. Beschreibungsebene ≠ relevante Erklärungsebene
    1. Ist ein fMRT sinnvoll um Angsterleben zu erklären?
    2. Können Schlafprobleme auf Melatoninspiegel reduziert werden? (Vielleicht können sie das ja bei einzelnen Gruppen: z.B. Schichtarbeiter?)
  1. Bezieht sich eher auf Erkrankungen: Wie kann die Anfälligkeit (Vulnerabilität) für eine Erkrankung erklärt werden?
    1. Situationen, die mich kränken, meine eigene Frustrationstoleranz oder bestimmte genetische Marker, die extremere Trauerreaktionen erklären?
  1. In Einklang mit 1. Die Relevanz einer Beschreibungsebene als Erklärungsebene hängt davon ab, wie viel Erklärungskraft sie besitzt, wie sparsam und prognostisch relevant sie einen Zusammenhang erklären kann.

Erklären und Verstehen sind keine Gegensätze. Es ist immer sinnvoll sich sowohl anzuschauen, was einen Menschen anfälliger macht für bestimmte Probleme (Vulnerabilität), was zum ersten Auftreten des Problems geführt hat (Auslöser) und wodurch dieses aufrechterhalten wird (Aufrechterhaltung).

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